TEJWIN JOURNAL 23.06.2026
Das Leben führt uns nicht zur Gewissheit.
Die meisten von uns sehnen sich nach Gewissheit.
Nach der Gewissheit, die richtigen Entscheidungen zu treffen.
Nach der Gewissheit, in der richtigen Beziehung zu sein.
Nach der Gewissheit, im richtigen Beruf zu sein.
Nach der Gewissheit, auf dem richtigen Weg zu sein.
Nach der Gewissheit, dass alles gut ausgehen wird.
Doch das Leben schenkt uns diese Gewissheit nur selten. Stattdessen lädt es uns ein, etwas viel Tieferes zu lernen – auch in der Unsicherheit zu vertrauen. Gerade in den Momenten, in denen wir nicht wissen, wie es weitergeht, suchen wir die Antworten zuerst im Außen. Wir fragen unsere Familie, Freunde, Kollegen oder Menschen, denen wir vertrauen. Wir hoffen, dass sie uns einen Rat geben, uns auffangen oder uns die richtige Richtung zeigen. Doch je mehr Menschen wir fragen, desto mehr unterschiedliche Antworten erhalten wir.
Warum?
Weil jeder Mensch die Welt durch seine eigenen Erfahrungen, Überzeugungen und seine persönliche Lebensgeschichte betrachtet.
Der Psychologe Carl Gustav Jung sagte: „Wer nach außen schaut, träumt. Wer nach innen schaut, erwacht.“ Vielleicht beginnt Vertrauen genau dort – in der Verbindung zu uns selbst.
Doch woher kommt jenes Vertrauen, das uns auch dann trägt, wenn wir keine Gewissheit haben?
Das Vertrauen, das uns aufstehen lässt, wenn wir gefallen sind.
Das Vertrauen, das uns weitergehen lässt, obwohl wir das Ziel noch nicht sehen können.
Das Vertrauen, das uns nach einer Enttäuschung den Mut schenkt, wieder zu lieben, anstatt unser Herz aus Angst vor weiterem Schmerz zu verschließen.
Die Antwort suchen wir oft als Letztes genau dort, wo sie von Anfang an zu finden war – in uns selbst.
Wahres Vertrauen zeigt sich nicht dann, wenn alles leicht ist.
Es zeigt sich in den Momenten, in denen unsere Pläne scheitern, wir enttäuscht werden oder das Leben anders verläuft, als wir es uns vorgestellt haben.
Gerade dann haben wir die Möglichkeit, zu uns selbst zurückzukehren.
Zu unserer Intuition.
Zu unserer inneren Stärke.
Und zu dem Wissen, dass wir bereits viele Herausforderungen in unserem Leben gemeistert haben und auch die nächste meistern werden.
Vertrauen bedeutet nicht, zu wissen, dass alles gut ausgehen wird. Vertrauen bedeutet, sich selbst auf dem eigenen Weg nicht zu verlieren. Psychologische Beratung bedeutet für mich nicht, Menschen zu sagen, welchen Weg sie gehen sollen. Sondern einen Raum zu schaffen, in dem Menschen wieder zu sich selbst finden.
Zu mehr innerer Klarheit.
Zu mehr innerem Gleichgewicht.
Zu ihrer Intuition.
Zu ihrer eigenen Wahrheit.
Und zu einem einfachen Leben, das sie mit mehr Vertrauen, Freude und Liebe leben können.


